Info Flora Schweiz - Characeae Author Info Flora text 2021 2023-10-20 Info Flora Schweiz Geneve https://www.infoflora.ch/de/flora/characeae.html url Chara aspera Willd. Rauhe Armleuchteralge Art ISFS: Checklist: 50002 Characeae Chara Chara aspera Willd. Bestimmungsschluessel Zusammenfassung Artbeschreibung Zierliche, aufrecht wachsende Pflanze, 5 - 40 cm gross, kann jedoch in groesseren Wassertiefen bis 70 cm erreichen. Wenig oder gar nicht inkrustierte Pflanzen. Sprossachse : 0,3 - 0,5 mm . Internodien : 1- bis 5mal laenger als die Quirlaeste . Rinde : triplostich isostich. Stacheln : nadelartig, manchmal kurz und konisch. Mehrheitlich einzeln oder manchmal zu 2 - 3 gruppiert, 1- bis 3 mal laenger als der Sprossachsendurchmesser, leicht abfallend. An den oberen Internodien oft sehr dicht, basal deutlich lockerer verteilt. Stipularen : aehnlich wie die Stacheln, in zwei Reihen, 2 Paare pro Ast. Astquirle : (6) 8 - 9 Aeste pro Quirl. Aeste : ziemlich kurz (bis 1 cm lang), fertile Aeste zur Achse hin eingebogen sonst (im Wasser) geoeffnet ; jeder Ast aus 6 - 8 Gliedern mit manchmal unberindeten Endgliedern. Dioezisch . Gametangien : immer einzeln an den ersten 2 - 3 unteren Knoten. Blaettchen : variabel, ventrale und dorsale fast gleich oder ganz unterschiedlich, gewoehnlich kuerzer als die Gametangien. Antheridien : einzeln, relativ gross im Verhaeltnis zum Spross, rot-orange (erleichtert das Erkennen der Pflanze von der Wasseroberflaeche aus), Durchmesser 0,4 - 0,6 (0,7) mm. Oogonien : einzeln, 0,6 - 0,9 mm lang, 0,44 - 0,55 mm breit. Oosporen : dunkelbraun bis schwarz, eifoermig , 0,4 - 0,68 mm lang, 0,44 - 0,55 mm breit, 11 - 15 Windungen; verkalken zur Gyrogoniten. Bulbillen : weiss, als kugelige Wurzelknoellchen , einzeln oder in Gruppen, ab Herbst bis zum Fruehjahrsbeginn vorhanden. Phaenologie Ausdauernd oder als einjaehrige Art, die dann als Bulbille oder Oospore ueberwintert . Die Jungpflanzen erscheinen im Fruehling (April - Mai); Gametangien werden zwischen Juni und August gebildet und die Oosporen reifen zwischen August und September aus. An waermeren Stellen oder im Flachwasser laeuft der Lebenszyklus schneller ab und kann bereits im Sommer abgeschlossen sein. Die Ausbildung von Bulbillen an den Rhizoiden erlaubt es den Pflanzen waehrend des Alterungsprozesses mittels vegetativer Fortpflanzung den Bestand langfristig zu erhalten. Verwechslungsmoeglichkeiten Sterile Exemplare von Chara aspera koennen mit C. strigosa verwechselt werden. Individuen mit unregelmaessiger Berindung, die stellenweise triplostich oder diplostich ist oder Pflanzen deren Stacheln vereinzelt und stellenweise in Gruppen auftreten, sorgen fuer Unsicherheiten bei der Bestimmung. In diesen Faellen sollte unbedingt nach fertilen Individuen gesucht werden, um mit vorhandenen Antheridien jeden Zweifel beseitigen zu koennen : C. aspera ist zweihaeusig und C. strigosa einhaeusig . Auch das Vorhandensein von Bulbillen kann zur sicheren Unterscheidung von C. aspera und C. strigosa genutzt werden. Standort und Verbreitung in der Schweiz Chara aspera kommt im Jura und in der Alpenregion in einer Vielzahl von Lebensraumtypen vor. Gefunden wird sie dort von der kollinen bis in die subalpine Hoehenstufe , sowohl in Seen (Lac de Joux, Neuenburgersee, Thunersee, Brienzersee, Lauenensee, Vierwaldstaettersee , Bodensee, Heidsee (Lenzerheide), Seen von Sils, Champfer und Silvaplana), als auch auf Pionierflaechen in Fliessgewaessernaehe . Weniger haeufig ist sie in Lebensraeumen des Mittellandes zu finden. Waehrend der Eutrophierungsphasen im vergangenen Jahrhundert verschwand sie in den Grossseen des Mittellands (Genfer-, Sempacher-, Zuerichsee ); doch scheint sie fruehere Standorte langsam wieder zu besiedeln, wie dies nach fast einem halben Jahrhundert Abwesenheit am Genfersee (2016) zu beobachten ist. Allemeine Verbreitung Zirkumboreal, auf der Nordhemisphaere weit verbreitet. Status Status IUCN : Verletzlich Nationale Prioritaet : 4 - Maessige nationale Prioritaet Internationale Verantwortung : 1 - Gering Erhalten/ Foerdern Gefaehrdungen Habitatverlust Mangel an Dynamik in aquatischen Lebensraeumen Gewaessereutrophierung Wissensluecken Oekologie In permanenten oder temporaeren Stillgewaessern (Seen, Teiche, Moore, Weiher, Altarme), unter oligo- bis oligo-mesotrophen Verhaeltnissen . In klarem, neutral bis alkalisch (pH = 7 - 8) Wasser, welches maessig bis sehr kalziumreich (Ca = 50 - 100 mg /l) ist. Auf weichem, kalkhaltigem, sandig bis tonigem Substrat, das meist wenig organisches Material enthaelt . Die Vorkommen liegen dabei in unterschiedlichen Tiefen ( 0,1 - 8 m , im Durchschnitt 1,6 m ). Lebensraum Milieux Phytosuisse (© Prunier et al. 2017) I.1.2.1.2 - Charetum asperae
Lebensraum nach Delarze & al. 2015 1.1.1 - Armleuchteralgengesellschaft ( Charion )
fett Dominante Art, welche das Aussehen des Lebensraumes mitpraegt Charakterart Weniger strikt an den Lebensraum gebundene Art Abhaengigkeit vom Wasser
Fluesse 1 - Zusatz- oder Nebenlebensraum
Ruhiges Wasser 2 - Schwerpunktlebensraum
Grundwasser 0 - unbedeutend, keine Bindung.
Nomenklatur Gueltiger Name ( Checklist 2017 ) : Chara aspera Willd.
Volksname Deutscher Name: Rauhe Armleuchteralge Nom francais : -- Nome italiano: -- Status Indigenat : Indigen Liste der gefaehrdeten Pflanzen IUCN (nach Walter & Gillett 1997 ): Nein Status Rote Liste national 2012 Status IUCN : Verletzlich Zusaetzliche Informationen Kriterien IUCN: -- Status Rote Liste regional 2019
Biogeografische Regionen Status Kriterien IUCN
Status nationale Prioritaet /Verantwortung
Nationale Prioritaet 4 - Maessige nationale Prioritaet
Massnahmenbedarf 1 - Moeglicher (unsicherer) Massnahmebedarf
Internationale Verantwortung 1 - Gering
Ueberwachung Bestaende 1 - Ueberwachung ist eventuell noetig
Schutzstatus
Kein internationaler, nationaler oder kantonaler Schutz
Erhalten/ Foerdern Gefaehrdungen und Massnahmen Habitatverlust Neue Kleingewaesser in Auen- und Moorgebieten anlegen. Dabei auf flach abfallende Uferbereiche achten. Nach Aufgabe der Nutzung ehemalige Kiesentnahmestellen geflutet erhalten. Mangel an Dynamik in aquatischen Lebensraeumen Eine natuerliche Gewaesserdynamik wiederherstellen, die die selbstaendige Entstehung von Pionierlebensraeumen ermoeglicht und dafuer mehr Raum bereitstellen. Erhalten oder Wiederherstellen von natuerlichen Wasserstandschwankungen in der Litoralzone. Diese sind fuer die Entwicklung der Art von Bedeutung: Niedrigwasserstaende in Herbst und Winter, Hochwasserstaende in Fruehling und Sommer. Gewaessereutrophierung Erhalten der physikalisch-chemischen Qualitaet der Gewaesser ( Stillgewaesser und Zufluesse ). Die Naehrstoffkonzentration auf einem oligo-mesotrophen Niveau halten und eine Eutrophierung vermeiden. Im Uferbereich breite Pufferstreifen mit Verlandungs- und Gebueschzonen , Hecken- und Waldstreifen usw. erhalten. Verhindern, dass grosse Naehrstofffrachten ueber Oberflaechenabfluesse , Drainagen usw., ins Gewaesser gelangen. Sowohl im Einzugsgebiet als auch in der unmittelbaren Umgebung des Gewaessers eine extensive Bewirtschaftung mit den Instrumenten der Landwirtschaftspolitik foerdern . Wissensluecken Die Entwicklung bekannter Bestaende ueberwachen und die Kenntnisse ueber die Oekologie der Art vertiefen, insbesondere in Bezug auf Fortpflanzung, Temperatur- und Trockenheitstoleranz.