Wiederfund von Paradromius ruficollis (Motschulsky, 1844) in der Schweiz (Coleoptera, Carabidae) Author Marggi, Werner Author Germann, Christoph text Entomo Helvetica 2013 2013-12-31 6 179 181 journal article 54688 10.5169/seals-986064 7f9ed043-e624-4c3e-bb1b-7e9fca800601 1662-8500 8083081 Paradromius ruficollis (Motschulsky, 1844) ( Abb. 1 ), in der einschlägigen Literatur vor 2000 noch unter dem Namen Dromius strigiceps (Reitter, 1905) geführt (z. B. Marggi 1992 ), wurde am 25. Oktober 2012 zum dritten Mal überhaupt und 34 Jahre nach dem letzten Fund in der Schweiz nachgewiesen. Nach Marggi (1992) und Luka et al. (2009) lagen bisher erst von zwei Fundorten aus der Schweiz insgesamt sieben Belegtiere vor ( Tab. 1 ).. P. ruficollis gilt als sehr selten gefundene und sehr lokal vorkommende Art (Hurka 1996), meist – wie auch beim aktuellen Fund – werden nur Einzelexemplare Tab. 1. Der Neufund und bisher bekannt gewordene Funde von Paradromius ruficollis (Motschulsky , 1844) in der Schweiz .
Funddatum Anzahl / Fundort/ Sammlung
25.10.2012 1 Ex. BE Boltigen, Ober Müncheberg, 591/164, ca. 1 800 m ü.M., leg. C. Germann, det.
W. Marggi , coll. Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern .
19.11.1978 6 Ex. VS Le Grammont, 552/134, ca. 1 900 m ü.M., leg. P. Scherler, det. P. Scherler /
W. Marggi, coll. Muséum d’histoire naturelle de Genève und coll. W. Marggi , Thun.
10.1963 1 Ex. VS Verraux zwischen Col de Jaman und Cape au Moine, 564/145, 1 864 m ü.M.,
leg. G. Toumayeff, det. W. Marggi, coll. Muséum d’histoire naturelle de Genève .
Abb. 2. Bisher bekannte Fundpunkte von Paradromius ruficollis (Motschulsky, 1844) vom westlichen Rand des Gesamtverbreitungsgebietes in der Schweiz und dem nächstliegenden Fund in Österreich. Abb. 1. Habitus von Paradromius ruficollis (Motschulsky, 1844) ; Boltigen, Ober Müncheberg. (Foto W. Marggi) Abb. 3. An diesem nach Westen exponierten, sehr steilen, grasigen Abhang bei Ober Müncheberg, Boltigen konnte Paradromius ruficollis (Motschulsky, 1844) am 25. Oktober 2012 in einem Exemplar aus der Streu gesiebt werden. (Foto C. Germann) gefunden. Eine Ausnahme stellt der Fund von sechs Exemplaren durch Pierre Scherler 1978 auf dem Grammont dar. P. ruficollis ist weit verbreitet, von Japan und Korea im Osten über die Mongolei , Russland , Zentralasien bis nach Europa ( Kabak 2003 , Persohn 2006 , Anichtchenko 2013 ). In Europa ist P. ruficollis nur vereinzelt gefunden worden ( Abb. 2 ). Kabak (2003) gibt Österreich , Bosnien-Herzegowina, Bulgarien , Tschechien , Polen und die Slowakei an. Im Nachbarland Österreich wurde der bisher einzige Nachweis 1975 erbracht, jedoch erst Jahre später gemeldet (Geiser 1999). Über die Lebensweise von P. ruficollis sind bisher nur wenige Aspekte bekannt geworden, und die Biologie liegt noch im Dunkeln. Der vorliegende Fund wurde mithilfe eines Käfersiebs an einem nach Westen exponierten, sehr steilen, grasigen Abhang mit teils freiliegenden (Kalk-) Felsrippen auf subalpiner Höhe gemacht ( Abb. 3 ). Dabei wurden Moospolster, Polsterpflanzen ( Saxifraga oppositifolia ) und Pflanzenstreu (vorwiegend abgestorbene Grashorste) durchgesiebt. Das Tier wurde vermutlich in seinem Winterquartier gefunden. Gemäss der späten Funddaten trifft dies auch bei den anderen, bisher aus der Schweiz bekannten Funde zu. Nach Auskunft von Claude Besuchet ( Genf ) an den Erstautor wurden auch die bisherigen Funde mit dem Käfersieb beim Aussieben der Boden- und Pflanzenstreu im alpinen Grasland gemacht. Hurka ( 1996 ) und Persohn (2006) charakterisieren die Biotope von <emphasis id="B922EAADFFF1F74B94D241659E29FEC5" box="[1000,1135,356,382]" italics="true" pageId="2" pageNumber="181">P. ruficollis</emphasis> als mässig trockene bis mässig feuchte, unbeschattete Lebensräume wie Weiden , Lichtungen, offene Bachtäler im Gebirge. Eine Besiedlung der höheren Vegetation, wie dies viele Lebiinae und insbesondere Dromius -Verwandte während der Aktivitätsperiode vom Frühjahr bis Sommer zeigen, darf vermutet werden. Ein Hinweis darauf kann aus der Meldung Geisers ( 1999 ) am Schafberg im Flachgau in Österreich entnommen werden. Die Meldung basiert auf einem Fund vom 10. Mai unter Ahornrinde. Allerdings sollte dabei erwähnt werden, dass beispielsweise der nah verwandte und häufige Paradromius linearis (Olivier, 1795) in der Bodenstreu bleibt.