Über im Herbst aktive Meloë-Arten im Bundesland Tirol (Österreich) (Insecta: Coleoptera, Meloidae)
Author
Schedl, W.
text
Linzer biologische Beiträge
2009
2009-08-30
41
1
359
366
journal article
10.5281/zenodo.4507124
0253-116X
4507124
Meloë
(
Eurymeloë
)
rugosus
MARSHAM 1802
(
Abb. 1
)
Synonyme siehe
BOLOGNA (1991)
.
Locus typicus:
England
.
Beschreibung der Adulten: sehr ausführlich mit Abbildungen zur Eidonomie in
BOLOGNA (1991
p. 313-315).
Beschreibung der Eier, Larven und Puppen:
BOLOGNA (1991)
verweist bei den Larven auf van
EMDEN (1943)
, der in einem Schlüssel den gelben Triungulinus von
M. rugosus
behandelt, dieser ist in LÜCKMANN & KUHLMANN (1997) und
LÜCKMANN (1999)
abgebildet, im Schlüssel in (LÜCKMANN & SCHARF, 2004) und ausführlich beschrieben (Körperlänge
0,7 mm
).
FRIESE (1898)
erwähnt in einer unsicheren Notiz, dass Larven von
M. rugosus
in Mörtelzellen von
Podalirius fulvitarsis
(entspricht heute
Anthophora fulvitarsis
BRULLÉ
) beobachtet wurden (siehe auch
SMITH 1869
). LÜCKMANN & KUHLMANN (1997) fanden je 1 Triungulinus-Larve an Caput- und Thoraxteilen von folgenden Kleinbienen aus Malaise-Fallen in zwei Naturschutzgebieten in
Deutschland
:
Halictus rubicundus
(CHRIST)
♀
,
Andrena nigroaenea
(KIRBY)
3,
Andrena varians
ROSSI
3,
Andrena flavipes
PANZER
3 und
Nomada flava
PANZER
3. Direkte Nachweise aus Bienennestern fehlen jedoch bisher weitgehend (LÜCKMANN in litt.).
Ökologische und ethologische Bemerkungen: Die Art ist mesophil, in Wiesen und mesophilen Laubwäldern, mehr oder weniger nachtaktiv, untertags häufig unter Steinen, phytophag besonders an Blättern von Compositae (
BOLOGNA 1991
), der Autor hat
1♀
erfolgreich mit
Taraxacum officinale
gefüttert. Die Art dürfte aber wie andere
Meloë
- Arten keine Frasspflanzenspezialisierung zeigen (LÜCKMANN in litt., PINTO & SELANDER 1970). Nach LÜCKMANN & ASSMANN (2005) und
VRABEC (2003)
besiedelt
M. rugosus
zumindestens in Mitteleuropa zwei unterschiedliche Habitate: einerseits Auen, andererseits trockene, nährstoffarme bis mesophile Lebensräume. Adulte Exemplare im Herbst, in
Italien
von September bis Dezember, im Bundesland Tirol von 22.VIII. bis 24.X., seltener im ersten Frühjahr (29.II. bis 15.IV.), in
Italien
im März bis Mai. Die Eiablage erfolgt in bis zu 11 Eiablageschüben, die mittlere Eizahl je Gelege variiert intraspezifisch, im Durchschnitt bei 2950 Eier je Gelege (
LÜCKMANN 2006
), die Larven schlüpfen und leben nach
LÜCKMANN (2006)
in Offenlandbiotopen. Die Adulten können vier Wochen mittleren Frost (bis zu etwa -8 °C) überstehen, die Eiablagen erfolgen im Herbst bzw. in darauffolgenden Jahr bis in den Februar, die Triungulinen schlüpfen etwa Mitte April, der Entwicklungszyklus bis zur Imago dürfte zwei Jahre benötigen, das Balzverhalten wurde von Lückmann beobachtet, die Kopulation dauert 0,7 bis 1,7 Stunden, die Art dürfte nicht ausschliesslich nachtaktiv sein, nur in die Vegetation scheinen die Käfer tagsüber nicht zu klettern (LÜCKMANN in litt.
3.2.2009
). Die Wirte der Larven dürften nach
SMITH (1869)
Apidae
aus dem Genus
Anthophora
(Anthophoridae)
sein.
Abb. 1
:
Meloë rugosus
MARSHAM
♀(ca 13 mm lang) von Innsbruck, Hötting, 16. Sept. 1998 (Foto: B. Knoflach-Thaler).
Abb. 2
:
Meloë autumnalis
OLIVIER
♀ (ca 12 mm lang) Innsbruck, Grosser Gott, 3.X.(19)37, leg. Santer (Foto: St. Heim).
Verbreitung: Die Art ist westpalaearktisch verbreitet von S-England in einem breiten Bereich in West-Ost-Richtung bis Zentralasien (
HORION 1956
;
BOLOGNA 1991
, Fig. 107), von Süden in die Alpen vorstossend über das Trentino und Südtirol bis Nordtirol (
WÖRNDLE 1950
; PEEZ & KAHLEN 1977;
KAHLEN 1987
), in den Alpentälern nur in warmen Talniederungen (
HORION 1956
).